Der 10. CSD in Mittelhessen

Der Kampf um Rechte für LGBT*IQA hat durch die Pandemie einen Rückschlag erlitten. Haben wir in den vergangenen Jahren viel erreicht, mussten auch wir uns zurückziehen.

Dennoch darf der Blick auf LGBT*IQA-Belange nicht verloren gehen. Daher veranstalten wir 2021 auch einen Christopher Street Day - wenn auch angepasst an die aktuelle Corona-Situation.

Übersicht

  • Wo ist der Christopher Street Day Mittelhessen 2021?

    Es handelt sich 2021 nur um eine Demonstration. Diese startet am Hauptbahnhof in Marburg.

  • Wann ist der CSD Mittelhessen in Marburg?

    Am Samstag, 26. Juni 2021. Um 12 Uhr ist Aufstellung der Demonstration. Ab 12:15 Uhr zieht die Demonstration durch Marburg und endet am Erwin-Piscator-Haus (Stadthalle) mit der offiziellen Kundgebung.

  • Anreise und Parken

    Wenn Du mit dem Zug anreist, fährst Du bis zum Hauptbahnhof Marburg.

    Mit dem Auto kannst Du in den Parkhäusern parken oder beim Hauptbahnhof unter der B3-Brücke. Infos findest Du auf den Seiten von Marburg Tourismus.

  • Der 10. CSD in der Mitte Hessens

    Wir finden es super, dass Mittelhessen sich bunt zeigt. Wie die vergangenen CSDs waren, kannst du nachschlagen:

    2020 (Artikel) 2020 (Archiv-Website) 2019 (Artikel) 2019 (Archiv-Website)
  • Was ist ein CSD?

    Der Christopher Street Day (CSD) ist ein Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von und für LSBTTIQ-Menschen. An diesem Tag wird für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert und gefeiert. LGBT*IQA (oft nur LGBT) ist eine Abkürzung für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen. Wenn wir „uns“ schreiben, meinen wir genau dies. Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaft mit unterschiedlicher Thematik, deren Gemeinsamkeit es ist, nicht der Heteronormativität zu entsprechen.

    Es geht um die sexuelle Orientierung gegenüber dem Partnergeschlecht, um die eigene Geschlechtsidentität und um körperliche Geschlechtsvariationen.

    Eure Facette ist ein Teil des großen Bildes, egal wie nackt, welchen Fetisch oder welche Farben. Hauptsache bunt, schrill und auffällig!

  • Geschichte

    Seit 2012 gibt es den CSD Mittelhessen. Nachdem Gießen 2012 bis 2015 und Wetzlar 2016 bis 2018 Austragungsort war, kam der CSD Mittelhessen 2019 zum 1. Mal nach Marburg. Wir zeigen, dass Mittelhessen facettenreich und bunt ist.

    Nachdem es 1990 den Auftakt zu „Provinz-CSDs“ in Marburg gab und in 1997 zum zweiten Mal, kehrt er in diesem Jahr zum zweiten Mal als „CSD-Mittelhessen“ in die Universitätsstadt zurück! Es ist also insgesamt der 4. CSD in Marburg und der 10. CSD Mittelhessen.

Demostrecke und Hygienekonzept

Wird noch veröffentlicht!

Ich weiss was ich tu - die Kampagne der Aidshilfe

Kontakt

26. Juni 2021 in Marburg und das ganze Jahr ansprechbar

Wer steht dahinter und finanzielle Hilfe

Der CSD Mittelhessen ist ein Verbund aus verschiedenen Vereinen, Institutionen und Gruppen. Diese haben sich zusammengeschlossen und den CSD Lahn gegründet. Der CSD Lahn tritt als Veranstalterin auf. Der eingetragene Verein ist auf finanzielle Mittel angewiesen, weil eine große Veranstaltung viele finanzielle Ressourcen beansprucht. Der Verein und seine Vertreterinnen freuen sich daher über Sponsoren, Förderer und Zuwendenden.

Es ist Dein CSD: komm' ins Team!

Der CSD lebt davon, dass viele Menschen ihn gestalten im Vorfeld und am Tag selbst. Wir freuen uns über jede Idee und jede helfende Hand. Wenn Du mit dabei sein möchtest und den CSD 2021 mit gestalten möchtest, schreib uns. Wir freuen uns auf Dich!

„Queer durch die Krise“

CSD Mittelhessen Demonstration in Marburg 2021

Das vergangene Jahr über wurden wir als LGBT*IQA-Community durch die Corona-Pandemie vor neue Herausforderungen gestellt. Unsere Räume, in denen wir uns ohne Angst vor Diskriminierung frei bewegen können, sind weitestgehend weggefallen. Solche Orte fehlen uns nun schon seit über einem Jahr.

Die Situation hat teils gravierende Folgen. Queere Vereine, Projekte und Unternehmen, Freiräume und Schutzräume sind mit verstärkten finanziellen Nöten konfrontiert und drohen endgültig zu verschwinden.

Coming-Out Prozesse sind in der Pandemie ebenfalls schwieriger, besonders für Jugendliche und junge Queers, die oft in queerfeindliche Strukturen zurückgedrängt werden. Kontakte mit queeren Gruppen und unterstützende Hilfsangebote können in vielen Fällen nicht wahrgenommen werden.

Sich mit anderen zu treffen, war auch für Queers in Pflege- und Wohnheimen nicht möglich, als diese abgeriegelt waren, während LGBT*IQA, die ohne Wohnung oder Obdach sind, nicht mal die Möglichkeit zu einem "Stay At Home" haben.

Viele von uns sind vereinzelt und inzwischen von Einsamkeit und Depression betroffen.

Doch besonders jetzt in Zeiten der Krise brauchen wir ein solidarisches Miteinander in der queeren Community, um der Vereinsamung entgegenzuwirken, füreinander da zu sein und wieder sichtbar zu werden!

Auch geflohene LGBT*IQA stehen unter Druck

Auch für geflohene LGBT*IQA stellt die Situation eine besondere Belastung dar. Durch längere Wartezeiten für Anhörungen und die Verzögerung der Asylverfahren insgesamt, verlängern sich die Aufenthalte in Sammelunterkünften und die Dauer der Ungewissheit. Möglichkeiten Fuß zu fassen und damit die Bleibeperspektiven zu verbessern, etwa durch die Aufnahme von Ausbildung oder Spracherwerb, sind erschwert, und statt als Queers in den Communities anzukommen, sorgt die Kasernierung für soziale Isolation, Angst vor Übergriffen und ein gesteigertes Risiko für Infektion.

Vor allem aber: Die humanitäre Notlage auf den Fluchtwegen, besonders in der Ägäis, muss durch Einreiseerlaubnis für Geflohene beendet werden.

Trans*-Personen haben das Nachsehen und Lebensrealitäten werden ignoriert

Zudem wurden in der Pandemie die Anliegen von trans*-Personen entwertet etwa, wenn geplante Hormonbehandlungen verwehrt oder geschlechtsangleichende Operationen verschoben wurden.

Die jeweiligen Corona-Regelungen der Regierung nehmen generell wenig Rücksicht auf individuelle Lebensrealitäten und orientieren sich an der heterosexuellen, bürgerlichen Kleinfamilie. Dies wurde an den Verordnungen zu den Weihnachtsfeiertagen besonders deutlich, als Treffen in den meisten Bundesländern primär unter blutsverwandten Menschen erlaubt wurden, aber auch bei den Regelungen zu Krankenhaus- oder Altenheimbesuchen, die in vielen Bundesländern nur unter Verwandten möglich waren.

Die sozialen Bezugsrahmen vieler Menschen sind jedoch Wahlfamilien, Freund*innen und Community, zumal Queerfeindlichkeit nach wie vor ein häufiges Problem in familiären Umfeldern darstellt.

Diskriminierung gerät aus dem Blickfeld

Bei der Thematisierung von Queers, die sich in krisenhaften Situationen befinden, müssen - auch unabhängig von Corona - die Entwicklungen in Ländern wie Polen oder Ungarn in den Blick genommen werden, wo LGBT*IQA-Personen entrechtet und zunehmend in ihrem Alltag bedroht sind.

Auch in verschiedenen US-Bundesstaaten gibt es erneut Bestrebungen, die Rechte von trans*-Personen einzuschränken und Gesetze zu beschließen, die weitere Diskriminierung und Ausgrenzung befeuern. All diese Beispiele führen ganz konkret vor Augen, dass rechtliche Errungenschaften vergangener Kämpfe für Gleichberechtigung wieder rückgängig gemacht werden können und dass der Kampf für LGBT*IQA-Rechte selbst auf den grundlegendsten Ebenen nie endet.

Wir bleiben solidarisch mit unseren internationalen Geschwistern, die um ihr Dasein kämpfen und viele Schmerzen erleben müssen! Mit Marsha P. Johnson sagen auch wir: “No pride for some of us without liberation for all of us”!

Sichtbarkeit trotz Pandemie

Wenn in Deutschland auf den Straßen wieder Hass gegen Minderheiten und Antisemitismus Raum finden, wollen wir uns die Straßen zurückholen!

Um gerade jetzt öffentlich zu zeigen, dass wir als Angehörige der LGBT*IQA-Community trotz der Krise da sind und auch nicht verschwinden werden, um endlich wieder öffentlich sicht- und hörbar sowie Füreinander da zu sein, möchten wir mit euch am 26. Juni 2021 eine Christopher Street Day Demonstration veranstalten.

Denn niemand auf der Welt sollte Queerfeindlichkeit und Diskriminierung erleben oder sein Dasein rechtfertigen müssen!

Dazu starten wir am Samstag, 26. Juni, um 12 Uhr am Hauptbahnhof in Marburg!

(Wir bitten euch 1,5 Meter Abstand zueinander einzuhalten und eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.)